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tabulaRASA

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© tabulaRASA

tabulaRasa ist ein Kollektiv in Berlin lebenden Künstlerinnen, die im Bereich der darstellenden Künste tätig sind.
Das erste Projekt des Kollektivs, die Residenz la-la-la-langue-pa-pa-parole fand im September und Oktober 2017 im TATWERK | Performative Forschung statt.

Unser gemeinsamer Migrationshintergrund setzt uns in ein besonderes Spannungsverhältnis zwischen unsere Muttersprache (lingua madre) und der Sprache des Landes, in dem wir leben und arbeiten. Einige von uns sind seit kurzem in Deutschland und Berlin, andere seit vielen Jahren, einige beherrschen die deutsche Sprache kaum, andere sehr gut, haben hier studiert und schreiben auf Deutsch, sind also fast zweisprachig. Als Performancekünstlern beschäftigen wir uns mit dem Wort nicht nur als einem kommunikativen Akt sondern als einem in ein kulturelles Territorium verwurzeltes/entwurzeltes/integriertes performatives Element. Das Erlernen einer fremden Sprache kann sehr einfach sein, wenn man sie auf bloß kommunikativer Ebene anwendet; darüber hinaus bedeutet es eine notwendige Auseinandersetzung mit der eigenen Muttersprache. Noch viel mehr auf künstlerischer Ebene, eine oft schonungslose, komische, burlesk auch peinliche Konfrontation mit sich selbst. Es geht also weniger um den Gebrauch der Sprache in seiner sozialen Funktion, als vielmehr um die parole als individuellem Akt, die parole, die das Gehör als Bestätigung unserer Existenz notwendig macht. Die parole, die hunderte Male wiederholt nie dieselbe ist, das für jeden von uns. Dieses Sagen-wollen, das keinen Ausweg lässt und das unweigerlich an das gebunden ist, was uns … fehlt. Die Sprache ist zwangsläufig an das Sprechen gebunden, braucht dieses nicht immer notwendig, um sich zu manifestieren. Es gibt eine Sprache als Resonanz- und Erinnerungsraum, eine Sprache aus „Fleisch, Affekten, Gefühlen, Lallen, Zeichen, Lauten, Flüstern.“ Der Körper empfindet Gefühle, die nicht immer in Worten ausdrückbar sind, im Körper reflektiert sich ein intimes Empfinden, das uns aufmerksam macht, Gefühle hervorruft oder unterdrückt. So gelangen wir über das unerschöpfliche Thema der Sprache zur Problematik der Identität: dem an uns, das wir am wenigsten kennen, auch wenn alle um uns herum das Gegenteil behaupten. Die öffentliche Aufführung, die wir zeigen, kann also nicht fertig oder abgeschlossen sein. Es ist ein erstes Experiment zwischen sinnlichen, voneinander verschiedenen Realitäten, bedingt durch den momentanen Zustand ähnlicher Kontexte, die auf unterschiedliche Weise miteinander in Kontakt zu kommen versuchen, um Momente gemeinsamer Kreationen zu erleben. Wir haben beschlossen, zwei Wochen im Tatwerk in Residence zu arbeiten, sofern diese Arbeitsweise nicht gezielt auf eine Aufführung hinarbeitet, sondern vielmehr die Suche, Recherche und das gegenseitige Kennenlernen in den Vordergrund stellt.

http://www.tabularasa-performingarts.org